Das Buch


Der Autor erzählt – exemplarisch für die „vaterländische Jugendbewegung“ Deutschlands im 20. Jahrhundert – die Geschichte eines rechtskonservativen Hamburger Jugendbundes vor dem Hintergrund des I. Weltkrieges und der Weimarer Republik. Im Mittelpunkt steht ein Jugendbund, der sich von 1911 bis 1933 mit viel Aufsehen hervortat. Seine Mitglieder stammten aus über 300 „gutbürgerlichen“ und geachteten Familien des Hamburger Ostens und seiner Umgebung, sie waren christlich-protestantisch gebildet und spielten oft eine hervorragende Rolle im kulturellen Leben ihrer Heimatstadt.

In Anknüpfung an die Wandervogelbewegung, aber auch auf der Grundlage verschiedener Erlasse preußischer Ministerien zur Erfassung der „schulentlassenen Jugend“ gründeten in dem Hamburger Vorort Bergedorf einige Gymnasiallehrer, der Gemeindepastor und vaterländisch gesinnte Bürger für ihre Söhne schon vor dem Ersten Weltkrieg einen Bund, der von Anfang an eine vormilitärische Ausbildung der Jugendlichen für „Kaiser und Reich“ zum Ziel hatte; – sie wanderten nicht, sie marschierten in Reih und Glied, aus fröhlichen Geländespielen wurden bei ihnen militärische „Felddienstübungen“. Während des Krieges bereiteten sie sich als Teil der „Jung-Deutschland-Bewegung“ in einer der zahlreichen „Jugendkompagnien“ (allein in Hamburg gab es 51 solcher „Kompagnien“) auf den Fronteinsatz vor, und nach dem Krieg marschierten, exerzierten und übten sie den Krieg weiter, um fit zu sein, das preußisch-deutsche Kaiserreich wiederherzustellen und „Deutschlands Feinde in Europa und der Welt endgültig in ihre Schranken zu verweisen“. Diese militärischen Übungen blieben bis zu ihrer Auflösung 1933 das Hauptanliegen der Jugendführer des Bundes.

Bei seiner Geschichte des Vereins „Jung-Bergedorf“ geht es dem Autor nicht nur um die Beschreibung ihrer vielfältigen Aktivitäten, sondern auch und zwar ebenfalls schwerpunktmäßig um die politischen Vorstellungen, die moralischen, ethischen Grundsätze, die Erziehung und Bildung der Jugendlichen und um die Frage, „wie es denn sein konnte, dass 1933 so viele gebildete Intellektuelle, die wohl durchaus zu kritischen, auch gesellschaftskritischen Überlegungen fähig gewesen seien, mit begeistertem Beifall in die NS-Bewegung, ins »Dritte Reich« marschierten und nicht die oft gezeigte verbrecherische Seite des Nationalsozialismus sahen“. Es handelt sich so auch um eine Studie über einen preußisch-protestantischen Nationalismus, der Ende der Weimarer Zeit im deutschen Bildungsbürgertum weit verbreitet war und der NS-Bewegung unversehens mit an die Macht verhalf. Der Autor beschränkt sich zwar auf den Bergedorfer Jugendbund, macht aber zugleich deutlich, dass es diese rechtskonservative Jugendbewegung so oder so entsprechend über das gesamte Reich verbreitet gab.

Schließlich stellt das Buch nicht nur einen Beitrag zur Stadtteilgeschichte Bergedorfs dar, sondern macht durchgängig deutlich, dass es sich hier insgesamt um eine Hamburgische Geschichte handelt.